Wasser sparen in heißen Zeiten

Die Sonne brennt vom blauen Himmel, das Thermometer steigt schon wieder in Richtung 30 Grad Celsius. Es ist kurz vor acht Uhr in der Früh. Niklas Pobel und Julian Wald sind mit ihrem Tankwagen am Gartenschaugelände. „So lange es hier noch einigermaßen schattig ist, macht das Gießen Sinn“, sagt der stellvertretende Leiter der Kitzinger Stadtgärtner, Niklas Pobel. Sein Kollege richtet den Wasserstrahl bereits auf die blühende Pracht.

Der Sommer 2022 bringt in Kitzingen so gut wie keine Niederschläge. Im Mai verzeichneten die Meteorologen 17,7 Liter pro Quadratmeter, im Juni waren es nur 12.6 l/m2 und im Juli stieg der Wert auch nur aufgrund eines einzelnen Gewitters auf fast 20 l/m2. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 regnete es in diesen drei Monaten rund 330l/m2, alleine am 20. Juni 2021 kam so viel Regen in Kitzingen runter wie im Mai und Juni dieses Jahres zusammengenommen. „Natürlich müssen wir uns auf die veränderten klimatischen Bedingungen einstellen“, sagt Niklas Pobel. Noch sind die Zisternen und Brunnen am Bauhof und im Stadtgebiet voll, Kitzingen verfügt zum Glück über einen soliden Grundwasserspiegel. „Aber natürlich wollen auch wir sparen“, sagt der 24-Jährige. Hybrid-Ulme, Gingko, Eisenholzbaum: Drei von mehreren Baumsorten, die mit der großen Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen, als so manches heimische Gehölz. Auch Gräser, Präriepflanzen oder andere Gewächse aus dem Mittelmeerraum fühlen sich mittlerweile in Kitzingen wohl und werden von den insgesamt 22 Mitarbeitern der Stadtgärtnerei immer häufiger angepflanzt. „Diese Pflanzen brauchen nicht so viel Wasser“, sagt Julian Wald. Auch die großen Pflanzkübel und die Blumenampeln sind so konzipiert, dass sie Wasser speichern können. Unter der Blütenpracht versteckt sind kleine Wasserspeicher eingebaut. „Von den Plastiksäcken, die in manchen Städten zum Bewässern eingesetzt werden hält Niklas Pobel nicht viel. Die bewässern lediglich den Bereich rund um den Stamm, der Baum wird deshalb nicht dazu gezwungen, ein breites Wurzelgeflecht auszubilden. „Außerdem kommt es immer wieder zu Vandalismus“, so Pobel.


Trotz aller Einsparversuche: Vier statt zwei Mitarbeiter sind in diesen Sommerwochen nur mit Gießen beschäftigt, befüllen die insgesamt vier Tankfahrzeuge immer wieder mit Wasser. Pro Tag werden rund 40 Kubikmeter im Stadtgebiet ausgebracht. „Im letzten Jahr war es nur ein Drittel dieser Menge“, sagt Julian Wald. „Wenn überhaupt.“

Neben der Hitze sind die fast 200 Jungbäume, die im letzten Jahr gepflanzt worden sind, für diesen Anstieg verantwortlich sind. „Diese Bäume werden im Moment wöchentlich angefahren“, erklärt Niklas Pobel. 50 bis 200 Liter Wasser werden zum Gießen der Jungbäume verbraucht. Nach drei bis vier Jahren müssen die Jungbäume deutlich seltener angefahren werden, weil sie genug Wurzelwerk ausgebildet haben, um an Wasser zu gelangen. Ganz anders sieht es bei den älteren Bäumen im Stadtgebiet aus, beispielsweise in der Falterstraße oder am Hindenburgring Nord. Die Böden nehmen kaum mehr Wasser auf und der sogenannte Gießrand – eine Fläche rund um den Stamm, der bis zu 100 Liter Wasser aufnehmen kann – ist bei diesen alten Bäumen kaum mehr vorhanden. Ein Problem ist das nicht, weil sich die alten Bäume in der Regel selbst mit Wasser versorgen. Die Stadtgärtner fahren sie auch in diesen heißen Wochen und Monaten eher selten an.

Zweimal hat Julian Wald die bunten Beete am Gartenschaugelände gewässert, jetzt wird es Zeit, in Richtung Innenstadt weiterzufahren. Um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag der Stadtgärtner und endet gegen 16 Uhr. „Am Nachmittag gießen wir all die Bereiche, die das Wasser auch eine Weile halten können“, erklärt Niklas Pobel. Und wenn die Arbeit getan ist, geht es ihm und seinen Kollegen auch nicht anders als den tausenden Pflanzen, die sie tagsüber gegossen haben: Die Stadtgärtner sind dann ebenfalls froh über eine kühle Dusche.